Die Befragung

Theater

Autor Édouard Louis und Regisseur Milo Rau verbindet eine lange Freundschaft. Eine Freundschaft, die aus ihrer gemeinsamen Suche nach einer Kunst des Realen entstanden ist. „Der Kern des Theaters ist derselbe wie in der Literatur: zu zeigen, was schwer zu zeigen ist. Das Theater sollte kein Ort der Sicherheit sein“, schrieb Louis über Raus Stück Familie.

 

Mit der Performance Die Befragung präsentieren sie nun einen sehr persönlichen Text über das Zweifeln und Scheitern. Ursprünglich schrieben und inszenierten Louis und Rau das Stück im Frühjahr 2021 im Auftrag des Kunstenfestivaldesarts, IIPM und NTGent, doch es kam nicht zur Uraufführung. Jetzt ist es endlich live zu sehen – gespielt vom Schauspieler Arne de Tremierie des NTGent Global Ensemble, ist Die Befragung eine „Demonstration für Verletzlichkeit“, ein Moment des poetischen Stillstands.

 

Können wir unserer Biografie durch Kunst entkommen oder ist Kunst nur der Beweis einer gescheiterten Befreiung? „Es ist ein zutiefst melancholisches Stück, ein fragmentarisches Stück, ein zartes Stück“, so Louis und Rau in einem Interview – ein ständiger Austausch über Theater und Wirklichkeit, Scheitern und Transformation, Fiktion und Wahrheit, über Werden und Sein.

 

Die Befragung ist eine grundlegende Ode an das Scheitern und ebenso eine Rehabilitierung des Scheiterns – eine Grundvoraussetzung für Transformation, um Authentizität zu erlangen und vielleicht auch, um essenzielle Kunst zu machen. Eine äußerst spannende Aufführung.“ Theaterkrant (Kritik von Sander Janssens)

 

„Wahrheit ist eine Form der Rache, denn wir leben in einer Welt der Lügen. Über arme Menschen, über schwule Menschen, über das, was wir erleben. Jedes Mal ist die Wahrheit ein Kampf.“ Édouard Louis in The Guardian

 

„„Eine besonders fesselnde Performance mit exzellenter Schauspielkunst und subtiler Regie. Ein Triumph.“ pzazz (Kritik von Johan Thielemans)

 

Édouard Louis erlangte in den letzten Jahren weltweite Aufmerksamkeit mit seinen Büchern. In diesen beschreibt er sein Leben von der Jugend an, die Kämpfe, die er auszutragen hatte als junger homosexueller Mann, der in einer nordfranzösischen Kleinstadt aufwuchs. Dabei spielte das Theater eine entscheidende Rolle in seinem Leben. Das eigene Theaterspielen bringt ihn in Kontakt mit der Literatur und lehrt ihn gleichzeitig zu überleben.

 

Milo Rau beweist in Projekten wie Das Kongo TribunalDie WiederholungOrestes in MossulDas Neue Evangelium oder School of Resistance, dass Theater nicht losgelöst von der Gesellschaft sein muss, sondern ein notwendiger Beitrag zu Politik, Kultur und Gesellschaft ist – ein Ort, um wahre Geschichten zu erzählen, die unsere Gesellschaft prägen.

 

DAUER & SPRACHE:

Dauer: 65 min

Gesprochene Sprache: Flämisch

Untertitel: Englisch

 

CREDITS:

Text: Édouard Louis & Milo Rau

Regie: Milo Rau

Performance: Arne de Tremerie

Dramaturgie: Carmen Hornbostel

Regieassistenz: Giacomo Bisordi und François Pacco (auf Gastspiel)

Technische Leitung: Jens Baudisch

Licht: Dennis Diels und Ulrich Kellermann (auf Gastspieltour)

Produktion: Mascha EuchnerMartinez

Übersetzung: Erik Borgman & Kaatje De Geest

 

Eine IIPM Produktion koproduziert von NTGent und ITA – International Theatre Amsterdam. Ursprünglich im Auftrag von Kunstenfestivaldesarts