Der Bundestag ist nicht genug – Milo Rau/IIPM gründet das erste Weltparlament

 

Gerade wurde das deutsche Parlament gewählt. Aber nicht einmal ein Bruchteil der von der deutschen Politik Betroffenen sind im Bundestag vertreten. Auch im Zeitalter von Massenmigration und Klimawandel wird globale Politik von nationalen Lobbys gemacht – und überall dort verhindert, wo sie deren Interessen zuwiderläuft. Indem die AfD zur dritten politischen Kraft in Deutschland geworden ist, wurden die nationalen Kräfte im Bundestag sogar noch einmal klar gestärkt. Ein nationales Parlament, das seine Interessen global durchsetzt, ist kein Ort der Demokratie, sondern ein Ort der Ausbeutung.

 

Vom 3. – 5. November 2017 versammelt die „General Assembly“ 60 Abgeordnete aus der ganzen Welt in der Bundeshauptstadt, um das neu gewählte deutsche Parlament herauszufordern – repräsentativ für alle Akteurinnen und Akteure, welcher Art auch immer, die von der deutschen Politik betroffen sind, jedoch im Bundesparlament kein politisches Mitspracherecht haben. Das erste Weltparlament der Menschheitsgeschichte, begleitet von einer Gruppe internationaler politischer Beobachter, gipfelt in der Verabschiedung der „Charta für das 21. Jahrhundert“ und dem „Sturm auf den Reichstag“ am 7. November, genau 100 Jahre nach dem „Sturm auf den Winterpalast“.

 

Demokratie für alle und alles!
Kriegsopfer, Arbeitsmigrant/innen, Wirtschafts- und Klimaflüchtlinge, die Opfer des sich anbahnenden Ökozids, die Kinder, die Ungeborenen und die Toten der Kolonialgeschichte – sie alle haben kein Mitspracherecht unter der Kuppel des Reichstags. Was wäre aber, wenn alle, deren Leben vom deutschen Bundestag bestimmt ist, sich versammeln und ihre Rechte einfordern würden? Die „General Assembly“ und der „Sturm auf den Reichstag“ verschaffen ihren Anliegen Gehör und ihrer Ungleichzeitigkeit ein Moment der Gleichzeitigkeit. An die Stelle eines Lokalparlaments tritt ein Globalparlament. Erstmals fordert der globale Dritte Stand seine Rechte ein: Eine Welt, ein Parlament!

 

Ausführliche Programminfos und ein Gespräch mit Milo Rau über die „General Assembly“ und den „Sturm auf den Reichstag“ finden Sie hier: PressemappeManifest und Programm.

 

„Alles muss anders werden“: In einem ausführlichen Gespräch mit der WOZ umreisst Milo Rau seine Gedanken und Motive zur „General Assembly“ und seiner Inszenierung „LENIN“, die bereits am 19. Oktober 2017 an der Berliner Schaubühne Premiere hat. Zur Inszenierung erscheint auch ein Begleitband im Berliner Verbrecher Verlag – mit dem kompletten, historisch annotierten Stücktext, umfangreichem Quellenmaterial sowie Beiträgen von Srecko Horvat, Rolf Bossart, Gleb Albert u. a.

 

Die „General Assembly“ tagt vom 3. – 5. 11. 2017 und wird gefolgt vom „Sturm auf den Reichstag“ am 7. 11. 2017.

 

PROGRAMM

 

Mittwoch, 1.11.2017
Was ist globaler Realismus?
20:00 Uhr, Schaubühne am Lehniner Platz

Was sind die Aufgaben und Grenzen eines Weltparlaments im Zeitalter von globalem Kapitalismus, Klimawandel und Massenmigration? Der Regisseur Milo Rau und der Soziologe Harald Welzer debattieren über soziale und politische Gerechtigkeit im 21. Jahrhundert. Moderation: Doris Akrap

 

Freitag bis Sonntag, 3.- 5.11.2017
General Assembly
Schaubühne am Lehniner Platz

Auf globaler Ebene existieren keine demokratischen Strukturen, die den Weltmarkt regulieren, völkerrechtliche Verstöße verfolgen oder ökologische Entwicklungen in sinnvolle Bahnen leiten könnten. Die „General Assembly“, die 60 Abgeordnete aus der ganzen Welt in Berlin versammelt, füllt mit ihrem Entwurf eines tatsächlichen Weltparlaments diese Leerstelle. Mit: Milo Rau, Tariq Ali, Jean Ziegler, Ulrike Guérot, Can Dündar, Wolfgang Kaleck, Chantal Mouffe, Lúcio Bellentani, Christos Giovanopoulos, Robert Misik, Hamze Bytyci, Abou Bakar Sidibé, Feri Irawan, Nasir Mansoor, Saeeda Khatoon, Juan Carlos Monedero u.v.a.

 

Dienstag, 7.11.2017
Reenactment
Sturm auf den Reichstag
15:00 Uhr, Wiese vor dem Reichstag, Heinrich-von-Gagern-Straße

Genau hundert Jahre nach dem legendären „Sturm auf den Winterpalast“ soll das neu gewählte deutsche Parlament symbolisch herausgefordert werden: Was sind die Forderungen des globalen Dritten Standes? Wer fehlt im Gebäude des Reichstags, in dem seit 1999 das deutsche Parlament internationale Politik macht? Vor dem Reichstagsgebäude erfolgt ein Reenactment des historischen Sturms auf den St. Petersburger Winterpalast, der 1917 die russische Revolution eröffnete.

 

Online:
www.general-assembly.net
www.schaubuehne.de
www.international-institute.de

 

#globaldemocracy
#generalassembly

 

Konzept und Regie Milo Rau Recherche und Dramaturgie Eva-Maria Bertschy Bühne und Ausstattung Anton Lukas Dramaturgische Mitarbeit Stefan Bläske, Carmen A. J. Hornbostel Mitarbeit Recherche Kasia Wojcik infographik Ole häntschel Produktionsleitung Mascha Euchner-Martinez, Eva-Karen Tittmann Mitarbeit Produktionsleitung Thomas Fabian Eder Technische Leitung Jens Baudisch Kamera Tilo Schneider Live-Streaming Can Elbasi Public Relations Yven Augustin Social Media Luise Müller-Hofstede und Karolin Langfeldt (fromberlinto) Film „Sturm auf den Reichstag“ Patricia Corniciuc Organisation und Mobilisierung Daniel Knopp und Jule Ulbricht Simultanübersetzung civit’ dolmetschen + übersetzen Regieassistenz Bastian Kirfel Dramaturgieassistenz Nicolai Morawitz

 

Die „General Assembly“ ist eine Produktion des IIPM – International Institute of Political Murder in Koproduktion mit der Schaubühne am Lehniner Platz, gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, die Spartenoffene Förderung Berlin durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa und die Bundeszentrale für politische Bildung. Unterstützt durch das European Center for Constitutional and Human Rights – ECCHR, medico international, Rettet den Regenwald und die Rosa-Luxemburg-Stiftung. Der „Sturm auf den Reichstag“ wird unterstützt durch das Slavische Seminar der Universität Zürich, den HMKV Dortmund, den Schweizerischen Nationalfonds und die Universität Zürich.

 

In Kooperation mit: Agit Polska, Bahrain Watch, Berlin Postkolonial, Bundesweiter Koordinationskreis gegen Menschenhandel, Club der polnischen Versager, Diem25, European Alternatives, FUTURZWEI, Germanwatch, Gesellschaft für bedrohte Völker, Heinrich-Böll-Stiftung, Initiative Schwarze Frauen in Deutschland – ADEFRA, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland – ISD, int.ie, Kampagne für ein Parlament bei der UNO / Democracy Without Borders, Kinder- und Jugendparlament Tempelhof-Schöneberg, Kurdische Gemeinde Deutschland, Oficina Precaria Berlin / 15 M, PowerShift, Reporter ohne Grenzen, RomaTrial, Tierfabriken Widerstand, Urgewald, Voix des Migrants, Welthungerhilfe u. v. a. Medienpartner: taz – die tageszeitung

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