Geschichte des Theaters

Theateressay

von Milo Rau

 

Was ist Theater? Wie heißt Emotion, Präsenz, Geschichte auf der Bühne? Was ist das Tragische, was das Wahre, was das Komische? Welche Erlebnisse und welche Bilder berühren oder verletzen uns, versetzen uns in Zorn und begründen unser künstlerisches Engagement? Wie können wir sprechen und zuhören, wie Zeugenschaft ablegen, und wie schließlich leben, sterben und wiederauferstehen – im Theater?

 

„Realismus bedeutet nicht, dass etwas Wirkliches repräsentiert wird. Realismus bedeutet, dass der Vorgang der Repräsentation selbst real wird“, heisst es in einem von Milo Raus Essays. Mit „Geschichte des Theaters“ unternimmt der Regisseur und Autor eine persönliche Reise durch die Geschichte der ältesten Kunstform der Menschheit und kommt dabei auf die grundlegenden Probleme seiner künstlerischen Arbeit der letzten 15 Jahre zurück: die Frage nach der Darstellbarkeit von Gewaltgeschichte und traumatischen Ereignissen auf der Bühne. Gemeinsam mit den drei Schauspielern Sara de Bosschere, Sébastien Foucault und Johan Leysen geht er den Obsessionen und Techniken seines „Theaters des Realen“ (Alexander Kluge) nach: der Faszination für kriegerische Auseinandersetzungen und Post-Konflikt-Situationen, der Recherche und „dichten Beschreibung“, dem Schreiben eines Textes auf der Grundlage von biographischen Erzählungen, der Arbeit mit dem Schauspieler, mit Licht und Kamera-Bild, die Suche nach politischem Engagement, existenzieller Gefahr und Wahrhaftigkeit. Doch „Geschichte des Theaters“ ist auch eine Selbstkritik des „manipulativsten Regisseurs unserer Tage“ (NZZ): Wie wird Illusion auf der Bühne geschaffen? Was sind die dafür eingesetzten Schauspiel- und der Bühnentechniken? Warum weinen und warum lachen wir? Wie überwältigt, prägt, hypnotisiert uns die Kunst?

 

Milo Rau beschließt damit seine Trilogie der Repräsentation, die er mit „Five Easy Pieces“ (Kunstenfestival Brüssel / Sophiensaele Berlin / CAMPO Arts Centre 2016) und „Die 120 Tage von Sodom“ (Schauspielhaus Zürich / Theater Hora 2017) begonnen hat. Parallel dazu fasst der Regisseur seine theoretischen Überlegungen in einer Reihe von drei Vorträgen im Rahmen seiner „Saarbrücker Poetikdozentur für Dramatik“ zusammen und publiziert im Alexander Verlag Berlin einen Band zur „Geschichte des Theaters“. Zugleich ist „Geschichte des Theaters“ der Beginn einer von Milo Rau kuratierten Reihe theaterhistorischer Tiefenbohrungen verschiedener Regisseurinnen und Regisseure aus Theater und Film. Teil 2 der auf 10 Teile angelegten „Geschichte des Theaters“ wird der französische Choreograph Jêrôme Bel für die Spielzeit 2018/19 entwickeln.

KONZEPT, TEXT UND REGIE Milo Rau SCHAUSPIEL Sara De Bosschere, Sébastien Foucault, Johan Leysen RECHERCHE & DRAMATURGIE Eva-Maria Bertschy BÜHNE & KOSTÜME Anton Lukas LICHTDESIGN Rainer Casper TECHNISCHE LEITUNG Jens Baudisch PRODUKTION Mascha Euchner-Martinez, Eva-Karen Tittmann PUBLIC RELATIONS Yven Augustin DESIGN Nina Wolters

 

„Geschichte des Theaters“ ist eine Produktion des International Institute of Political Murder (IIPM) und des Théâtre National Wallonie-Bruxelles in Koproduktion mit Kunstenfestivaldesarts,  NTGEnt, Théâtre Vidy Lausanne, Théâtre Nanterre-Amandiers, Tandem Scène Nationale Arras Douai, Schaubühne am Lehniner Platz Berlin, Münchner Kammerspiele, Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt a. M., Theater Chur, Gessnerallee Zürich.

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