Five Easy Pieces

Theater

von Milo Rau

Uraufführung

Regie: Milo Rau

 

Kann man mit Kindern das Leben des Kindermörders Marc Dutroux auf die Bühne bringen? In dem Stück „Five Easy Pieces“ entwickeln Milo Rau und sein IIPM – International Institute of Political Murder in Koproduktion mit dem Genter Theater CAMPO entlang der Biografie des zu trauriger Berühmtheit gelangten belgischen Verbrechers Dutroux eine kurze Geschichte Belgiens. Auf der Bühne: Kinder und Jugend­liche zwischen 8 und 13 Jahren. Grund­sätzliche ästhetische und theatrale Fragen verbinden sich mit moralischen: Wie können Kinder verstehen, was Erzählen, Einfühlung, Verlust, Unterwerfung, Alter, Enttäuschung und Rebellion bedeuten? Wie können sie es auf der Bühne darstellen? Und was geschieht mit uns selbst, wenn wir sie dabei beobachten?

 

Mit „Five Easy Pieces“ unterzieht das IIPM – International Institute of Political Murder seine Ästhetik des realistischen Erzähltheaters und der Grausamkeit einer theatralen Unter­suchung. Gemeinsam mit dem durch Kinder- und Jugendtheaterproduktionen wie „That Night Follows Day“ (Tim Etchells, 2007) und „Before Your Very Eyes“ (Gob Squad, 2011) europaweit ge­feierten Produktionshaus CAMPO fokussiert die Produktion „Five Easy Pieces“ das Leben und die Verbrechen Marc Dutroux’ und mit ihm verschiedene Tabus und Schmerzpunkte des privaten wie politischen Lebens. 

 

In fünf Übungen größter Einfachheit – Kurzszenen und Monologe für die Kamera – schlüpfen die jugendlichen Schauspieler in verschiedene Rollen: die eines Polizeioffiziers, des Vaters von Marc Dutroux, eines der Opfer, der Eltern eines der toten Mädchen. Gemeinsam mit erwachsenen Schauspielern einstudierte Reenactments – ein Tatortbegehung, die Unabhängigkeitserklärung des Kongo, eine Beerdigungszeremonie, eine Szene aus dem Alltag von Marc Dutroux’ Vater – führen sie hin zu ihren Rollen und Schicksalen. So entspannt sich einerseits ein historisches Panorama belgischer Geschichte von der Unab­hängigkeit des Kongo bis zur Großdemonstration des „Weißen Marsch“. Andererseits fragt die Inszenierung nach den Grenzen von dem, was Kinder wissen, fühlen und tun dürfen. Was bedeutet es, sie dabei zu beobachten? Und was erfahren wir dadurch über unsere eigenen Ängste, Hoffnungen und Tabugrenzen? 

 

Hat der Komponist Igor Stravinsky vor hundert Jahren seine „Five Easy Pieces“ als Erziehungsinstrument komponiert, um seinen Kindern das Klavier­spielen beizu­bringen, und hat Marina Abramović mit „Seven Easy Pieces” ikonische Aktionen der Performance­kunst nachgespielt, werden die Kinder in Milo Raus „Five Easy Pieces” nun eingeführt in die emotionalen und politischen Absurditäten und Abgründe der Erwachsenenwelt. Was heißt es, mit Kindern Theater für Erwachsene zu machen? Was erzählt das über Macht und Unterwerfung, über Theater und Performance, über Mimesis und Menschsein? „Five Easy Pieces” ist ein Experiment über das Erzählen von Geschichte(n) in fünf Anläufen.

 

Eine Produktion von IIPM und CAMPO Gent in Koproduktion mit Kunstenfestivaldesarts Brussels 2016, Münchner Kammerspiele, La Bâtie – Festival de Genève, Kaserne Basel, Gessnerallee Zürich, Singapore International Festival of Arts (SIFA), SICK! Festival UK, Le phénix scène nationale Valenciennes pôle européen de création und SOPHIENSÆLE. Ausführender Produzent ist das CAMPO Gent. Gefördert aus Mitteln des Regierenden Bürgermeisters von Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten, Pro Helvetia Schweizer Kulturstiftung, Ernst Göhner Stiftung und GGG Basel. CAMPO wird unterstützt durch die Flämische Regierung, die Provinz Ostflandern und die Stadt Gent. Medienpartner: Der Freitag.

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