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„Konfrontiert mit Faschisten gibt es nur zwei Möglichkeiten: ihre Zukunft. Oder eine Zukunft ohne sie“, so Milo Rau vergangenes Wochenende in seiner Zeitungs-Kolumne, die seit bald 8 Jahren seine Inszenierungen als Logbuch begleitet. Nach seinen weltweit debattierten Inszenierungen „Orest in Mossul“ in der ehemaligen Hauptstadt des Islamischen Staats und dem aktivistischen Jesus-Film „Das Neue Evangelium“ […]


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„Gegen den globalen Faschismus“: Milo Rau inszeniert „Antigone im Amazonas“

„Konfrontiert mit Faschisten gibt es nur zwei Möglichkeiten: ihre Zukunft. Oder eine Zukunft ohne sie“, so Milo Rau vergangenes Wochenende in seiner Zeitungs-Kolumne, die seit bald 8 Jahren seine Inszenierungen als Logbuch begleitet. Nach seinen weltweit debattierten Inszenierungen „Orest in Mossul“ in der ehemaligen Hauptstadt des Islamischen Staats und dem aktivistischen Jesus-Film „Das Neue Evangelium“ in den süditalienischen Flüchtlingslagern reisen Milo Rau und sein Team für die „Antigone im Amazonas“ nach Brasilien ins Amazonasbecken.
 
Zusammen mit Indigenen, Aktivist*innen und Schauspieler*innen aus Brasilien und Europa entsteht dort auf einem von der Landlosenbewegung MST besetzten Landstück Sophokles’ klassische Tragödie neu: als blutiges Aufeinandertreffen von traditioneller Weisheit und globalem Turbokapitalismus, als Epos des Kampfes der Menschheit gegen ihren selbst verschuldeten Untergang in Profitgier, Verblendung und Hybris. Denn mit dem von Präsident Bolsonaro lautstark unterstützten Angriff des brasilianischen Agrobusiness auf den größten zusammenhängenden Urwald der Erde ist nicht nur die „grüne Lunge“ des Planeten von der finalen Zerstörung bedroht – sondern auch die dort lebenden Völker und ihre jahrtausendealten Traditionen.
 
„Jetzt ist es an der Zeit, unsere Wahrheit zu verkünden“, wie die indigene Aktivistin und Schauspielerin Kay Sara in der Pressemappe zu „Antigone im Amazonas“  schreibt – die erste indigene Frau überhaupt, die diese wohl berühmteste Widerstandskämpferin der klassischen Tragödienliteratur spielt. „In diesem Kampf werden vier Frauen durch mich sprechen: die Figur Antigone, ich als Person und Künstlerin, als Frau und als Indigene“, so Kay Sara weiter. Die Inszenierung gipfelt im November 2020 in einem Reenactment des größten Massakers der brasilianischen Polizei an landlosen Bauern an Ort des Verbrechens selbst: auf einer dafür besetzten Bundesstraße durch den Amazonas.
 
Mehr über die politischen und künstlerischen Hintergründe des Projekts – und seine Fortsetzung in Europa und Brasilien – erfahren sie in der Pressemappe oder im kürzlich im Verbrecher Verlag erschienenen Band „The Art of Resistance“. Alle Termine der tourenden Stücke des soeben mit der Ehrendoktorwürde der Universität Gent (Belgien) ausgezeichneten Milo Rau finden Sie auf den Seiten des IIPM und des NTGent.
 
„Global denken, lokal handeln“: Ein interessantes Porträt unter diesem Titel über Milo Raus aktuelle Arbeiten, in dem er auch auf die Hintergründe von „Antigone im Amazonas“ eingeht, finden Sie unter folgendem Link.