HATE RADIO

2014 / Verbrecher Verlag Berlin

Von Milo Rau

 

Am 6. April 1994 wurde das Flugzeug des ruandischen Präsidenten kurz vor der Landung von zwei Raketen getroffen. Dies war das Startsignal für den grausamsten Genozid seit dem Ende des Kalten Kriegs: In nur drei Monaten wurden in dem zentralafrikanischen Staat schätzungsweise eine Millionen Angehörige der Tutsi-Minderheit und Tausende gemäßigter Hutu ermordet.

Der populäre Radiosender RTLM spielte eine zentrale Rolle bei diesem Völkermord: Seit Monaten hatten die Moderatoren ihn mit unbeschreiblichem Zynismus wie eine Werbekampagne vorbereitet. Das Programm bestand aus Pop-Musik, Reportagen, politischen Pamphleten und aus an Verachtung nicht zu überbietenden Mordaufrufen. Nach kontrovers diskutierten Aufführungen im ehemaligen Radiostudio in Kigali (Ruanda) in November 2011 ließ Milo Rau in seinem Sück „Hate Radio“ den Sender RTLM in zahlreichen europäischen Museen und Theatern wieder live auf Sendung gehen – in bisher über 15 Ländern weltweit.

Neben dem kompletten Stücktext und Hintergrundinterviews zur Entstehung des Werks kommen in dem vorliegenden Band Täter, Opfer, Augenzeugen, Mitarbeiter des Regisseurs und Spezialisten zu Wort. Gemeinsam suchen sie nach den Ursachen und Entstehungsbedingungen des unvorstellbaren Genozids in Ruanda.

 

„Ein Text, der einem immer wieder Tränen der Trauer und Wut in die Augen treibt.“ (DER SPIEGEL)

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