„Gefeiertes Metatheater“: „Die Wiederholung“ kommt an die Berliner Schaubühne & das NTGent eröffnet seine Spielzeit

 

 

Der Theater-Herbst startet für das IIPM gleich mit zwei Saisoneröffnungen. Nach von der internationalen Kritik „ekstatisch“ (Agence France Press) gefeierten Aufführungen in vier Ländern kommt „Die Wiederholung“ auf seiner Europa-Tour nach Berlin und eröffnet am 1. September als erste deutsche Premiere die Spielzeit 2018/19 an der Schaubühne am Lehniner Platz.

Wie der vergangenes Jahr am Berliner Theatertreffen gezeigte Theater-Essay „Five Easy Pieces“ verstört „Die Wiederholung. Geschichte(n) des Theaters (I)“ in seiner Mischung aus Analyse und Gewalttätigkeit, Distanz und Spielfreude nicht nur die internationale, sondern auch die deutsche Presse: „Es geht Rau nicht um Aufklärung der Tat, sondern um die allmähliche Entfernung seines Spiels von jeder simplen Wahrheit. So gewinnt das Verbrechen auf der Bühne eine gleißende Schönheit„, so etwa die ZEIT, die das Stück in Brüssel gesehen hatte.

Die Süddeutsche Zeitung sah in ihrem Avignon-Bericht die „unerbittliche Rekonstruktion eines Lynchmords“, die FAZ hielt begeistert fest: „Rau spielt virtuos mit den Gefühlen des Publikums.“ Deutschlandradio hinwiederum notiert zwar den „befreienden Jubel“, den La Reprise auf seiner Tour „bei der internationalen Presse auslöste“, urteilt aber, „dass auch dieses gefeierte Metatheater die erwünsche Katharsis nur fordern, nicht aber erspielen kann“. Transzendenz oder tragische Gewalt? Bilden Sie sich selbst ein Urteil: An der Schaubühne ist das erste gemäss den Regeln des „Genter Manifests“ inszenierte Stück vom 1. bis 4. September zu sehen und reist dann auf seiner Europa-Tour weiter nach Paris ans Festival d’Automne.

Kurz darauf folgt bereits die nächste Eröffnung: die Eröffnung des NTGent selbst, die Rau und sein Team ab der Saison 2018/19 künstlerisch leiten werden. Vom 28. bis 30. September werden Milo Rau mit „Der Genter Altar“ und Miet Warlop mit „Ghostwriter“ das belgische Traditionshaus mit zwei Premieren eröffnen, der kongolesische Choreograph Faustin Linyekula – der die NTGent-Reihe „Geschichte(n) des Theaters“ in der kommenden Saison weiterführen wird – bringt sein neues Stück „Not Another Diva“ zur belgischen Uraufführung.

Doch drei Premieren sind nicht genug: Alle drei Spielstätten des NTGent werden am letzten Septemberwochenende zum Ort einer Ausstellung, in denen Künstlerinnen und Künstler der kommenden Saison Einblick in ihre Arbeit geben. Gäste wie Dalilla Hermans, Béatrice Delvaux, Renzo Martens oder Ulrike Guérot sowie die zwei ersten Bände der Genter Theorie-Reihe „The Golden Books“ (Band 1: Globaler Realismus / Band 2: Der Genter Altar) flankieren die Performances mit einer umfassenden Debatte zum „Stadttheater der Zukunft“.