„Von enormer Wichtigkeit“: Kunstuniversität Mossul gründet gemeinsam mit NTGent/Milo Rau und UNESCO eine Filmschule

 

Academy of Fine Arts Mosul, NTGent und UNESCO gründen eine Filmschule in Mossul

 

Als vergangenes Wochenende bekannt wurde, dass in Mossul mit Unterstützung des NTGent und der UNESCO eine Filmschule eröffnet wird, waren die Reaktionen in den Medien euphorisch. „Das Projekt bietet eine Antwort auf die Frage, was westliche Künstler in prekären Gebieten tun können“, so De Standaard in einer ausführlichen kritischen Analyse, Broadway World und Arab News zitierten den Leiter der Mossuler Kunsthochschule,  Suleik Salem Al-Khabbaz: „Diese Zusammenarbeit ist von enormer Wichtigkeit für uns. Es ergibt sich die Möglichkeit, der ganzen Welt die Wirklichkeit in Mossul zu erzählen.“
 
Seit 2016 („Empire“) arbeiten der Regisseur Milo Rau, künstlerischer Leiter des NTGent und des IIPM, und sein Team mit Partnern aus der Region: Nach der Befreiung vom Islamischen Staat entstand mit „Orestes in Mossul“ (2018/19) ein erstes Stück gemeinsam mit der Kunstuniversität Mossul, gefolgt von einem intensiven strukturellem Austausch. Nach fünfjährigen Vorarbeiten entsteht nun ab Oktober 2021 eine Filmschule. „In Mossul eine Filmschule zu eröffnen, kann aussergewöhnlich erscheinen“, so Rau zu AFP, „aber es ist die logische Fortführung eines seit Jahren anhaltenden Austausches.“ So kommt es nun zur Gründung eines eigenen Instituts gleichermaßen für Studentinnen und Studenten – die erste ihrer Art in der Region. Mehr Informationen über das Projekt finden Sie hier.

 

Saisonstart in zwei Ländern: „Grief & Beauty“ in Gent, „School of Resistance“ in Köln
 
Mit zwei Events, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, starten Rau und sein Team ab morgen (22.09.) in die Saison 2021/22: In „Grief & Beauty“ – Premiere am Mittwoch, 22. September am NTGent – begleiten vier Schauspieler*innen eine Frau, die Sterbehilfe in Anspruch nimmt. Ihre persönlichen Geschichten über Abschied und Wiedergeburt, Kunst und Liebe, Erinnerung und Vergessen umrahmen eine radikale, zärtliche und hyperintime Inszenierung, die an die Grenze des Erträglichen geht. „Wie immer transzendiert Milo Rau sein Thema, inspiriert von der Darstellung des Todes“, so Libération in der Ankündigung – es sind noch Restkarten verfügbar!
 
„Vielleicht ist die anstehende Bundestagswahl ja dafür da, die Politik des scheinheiligen Feingefühls durch eine Politik der Verantwortung zu vertauschen“, so Milo Rau in seiner Kolumne in der Berliner Zeitung. Ab Freitag (24.09.), zwei Tage vor den Bundestagswahlen in Deutschland, geht es am Schauspiel Köln los mit der 16. Ausführung der „School of Resistance“. Unter dem Titel „Für eine Politik der Gerechtigkeit!“  erwartet Sie ein dichtes Workshop-Programm, drei hybride Panels, eine Soli-Kundgebung, ein Konzert und eine gemeinsame Spendenaktion für eine gerechte und humane Flüchtlingspolitik. Unter den Gäst*innen sind u. a. die Schriftsteller Navid Kermani und Mithu Sanyal, die Anwält*innen Wolfgang Kaleck, Céline Tshizena und Omer Shatz oder die Aktivist*innen Mattea Weihe und Yvan Sagnet. Das ganze Programm finden Sie hier.