Jeanne d´Arc

Theater

von Milo Rau

Uraufführung

 

„Schnell verschwindend aus dieser Welt ohne Furcht / Sage ich euch: / Sorgt doch, dass ihr die Welt verlassend / Nicht nur gut ward, sondern verlasst / Eine gute Welt!“ (Bertolt Brecht, „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“)

 

Nationalheldin oder Glaubenskämpferin, Idealistin oder Ketzerin: Was war sie eigentlich, diese Symbolfigur des Widerstands, diese nach der Mutter Gottes berühmteste Jungfrau, dieses Bauernmädchen, das die Engländer aus Frankreich vertrieb und seither von rechten wie linken Ideologen vereinnahmt wurde? Geboren 1412, verbrannt 1431, rehabilitiert 1456 und heiliggesprochen 1920. Sie zog in den Kampf und ließ sich lieber hinrichten als ihre Engelserscheinungen und den göttlichen Auftrag zu leugnen: Jeanne d’Arc – geplagt von Visionen oder eine Visionärin?

 

Von Shakespeare über Voltaire und Schiller bis Brecht haben sich Autoren und Theatermacher von der heiligen Johanna inspirieren lassen. Milo Rau erarbeitet am Residenztheater eine Jeanne d’Arc für unsere Zeit. Auf Basis persönlicher Erfahrungen und von Gesprächen und Begegnungen mit Aktivistinnen entwickelt sich ein Porträt voller Ambivalenzen und eine Hinterfragung der Arbeit engagierter Künstler und Intellektueller. Politikerinnen und Revolutionärinnen, kurdische Peschmerga- Kämpferinnen, linksradikale und rechtsnationale Avantgardistinnen, amerikanische Salonsozialistinnen und lateinamerikanische Guerilleras: Wo sind sie zu finden, die Jeanne d’Arcs unserer Zeit, wogegen kämpfen, woran scheitern sie? Wie tickt jemand, der sich hinreißen lässt vom Elend der Welt – nur um am Ende vielleicht selbst zum Täter zu werden?

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